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Herausragende Wohnarchitektur : Die Tür steht immer offen

Die 250 Jahre alten Mauern des Abiquiú House ?ffnete Malerin Georgia O’Keeffe nach ihren Vorstellung – der Blick auf die Wüste New Mexikos war damit frei. Bild: Krysta Jabczenski

In fremde Wohnzimmer blicken alle gerne. Vor allem, wenn wir das eigene kaum mehr verlassen k?nnen. Wie passend, dass der Band ?Living In“ nun herausragende Beispiele moderner Wohnarchitektur pr?sentiert.

          2 Min.

          Zu Hause ist es nicht immer am sch?nsten, so viel Ehrlichkeit muss sein. W?schek?rbe im Schlafzimmer und Papierh?ufchen im Büro wollen nie ganz verschwinden. Sie st?ren das Wohnglück, genau wie die Fliesen, die der Vermieter vor 30 Jahren ausgesucht hat, und ein Kontostand, der die Vorliebe für Designklassiker nicht unterstützt. Und doch war das Zuhause, mit all seinen Unzul?nglichkeiten, lange nicht so wichtig wie jetzt: Unser Bewegungsradius verkleinert sich wieder, Reisen sind abgesagt, bei Freunden an der Haustür klingeln, um wenigstens mal Zeit in einem anderen Wohnzimmer zu verbringen, f?llt aus.

          Anna-Lena Niemann

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Ob den Hausherren der Villa Cardo solche N?te fremd sind? Zumindest l?sst sich die neue Einsamkeit in einem Haus wie diesem und in der apulischen Landschaft Italiens wohl ganz anders erleben. Die kleinen Banalit?ten und gro?en Sorgen des Alltags machen im Angesicht dieser wei?en, fast bescheiden wirkenden Villa einfach kehrt. Es ist ein Haus mit klaren kubischen Formen, durchbrochen von Torb?gen und gew?lbten Decken, und einer Farbpalette, die sich neben dem Wei? der Mauern auf Puder- und helle Erdt?ne beschr?nkt. An ausgew?hlten Stellen ?ffnen bodentiefe Fenster und Glastüren den Raum in den Garten, wo Olivenb?ume und Feigenkakteen wachsen und Pool und Freiluftküche unter azurblauem Himmel warten. So kann zeitgen?ssisches Wohnen aussehen.

          Zugleich hat sich Architekt Andrew Trotter bei traditionellen Baustoffen bedient. Das moderne Haus wirkt dadurch nicht wie ein Fremdk?rper im l?ndlichen Apulien. Wei? getünchte Ziegel, Natursteinboden im Haus, Flachdach, Holz und Leinen pr?gen das reduzierte Mobiliar. Ein ?Zufluchtsort“, wie geschaffen für Tage der Isolation.

          Die Villa Cardo fügt sich in strahlendem Wei? und sanftem Puder in die apulische Landschaft ein. Bilderstrecke
          Herausragende Wohnarchitektur : Die Tür steht immer offen

          Dass nicht nur seine Besitzer um ihn wissen, ist wiederum Andrew Trotter selbst zu verdanken. Der Architekt und Designer ist ein Anh?nger des offenen Hauses. Trotter und Designerin Mariluz Vidal ver?ffentlichen seit sieben Jahren das Magazin ?Openhouse“, für das sie immer wieder Designer, Architekten und Kreative überzeugen, die Tür zu ihren Wohnzimmern zu ?ffnen. So etwas wie die erlesene Auswahl daraus haben die beiden nun in Zusammenarbeit mit dem Gestalten Verlag in einen Bildband gegossen. Wer ihn aufschl?gt, kann wenigstens im übertragenen Sinn an fremde Türen klopfen. Ganz der Wohnarchitektur gewidmet, bietet ?Living In“ in englischer Sprache Einblick in 30 H?user weltweit, die, wie die Autoren schreiben, authentisch und ihrer Umgebung eng verbunden sind, subtile Harmonie bieten und sich durch herausragende Architektur auszeichnen.

          Der Band gliedert sich in vier Kapitel, die den vier hier formulierten Grundpfeilern entsprechen sollen, die gute Architektur ausmachten: Natur, Tradition, Pers?nlichkeit und Gemeinschaft. Neben Trotters eigenem Entwurf der italienischen Villa Cardo finden sich so bekannte wie unterschiedliche Objekte in der Auswahl. Die Villa Tugendhat ist als Bauhaus-Ikone aus Stahl und Onyxmarmor ebenso vertreten wie das flache Abiquiú House aus rotem Lehm. In der amerikanischen Wüste New Mexikos hatte es Malerin Georgia O’Keeffe einst zu ihrem Zuhause und Studio gemacht.

          Dem an die Seite gestellt werden Wohnh?user wie das chilenische ?Casa Poli“, ein Betonwürfel, dessen Au?enhaut von Wind und Meer gezeichnet ist. Der Bau duckt sich, fast schon fragil wirkend, in eine Klippe direkt am Pazifik. Die Holzplanken, die der Betonfassade ihre Form gegeben haben, verkleiden wei? getüncht nun die Innenr?ume. Zudem haben die Architekten auf eine Doppelwandstruktur gesetzt, in die Küche, Dusche und Schr?nke integriert sind. Doch am Ende mag man die Eigentümergemeinschaft aus vier Künstlern vor allem um den Blick durch die riesigen quadratischen Fenster aufs offene Meer beneiden. Weit und breit kein Mensch. So sch?n kann Einsamkeit zu Hause sein.

          Living In. Modern Masterpieces of Residential Architecture. Herausgegeben von Openhouse und Gestalten, Berlin 2020.

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