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Oper in Corona-Zeiten : ?Wir k?nnen nicht einfach die Fü?e hochlegen“

Auf Abstand: Der Frankfurter Opernchor bereitet sich trotz Lockdown auf die Premiere vor. Bild: Frank R?th

Trotz des Lockdowns probt der Opernchor in Frankfurt unter Tilman Michael emsig weiter. Die Premiere des weltlichen Oratoriums ?Le vin herbé“ (?Der Zaubertrank“) ist vorerst auf den 3. Dezember verschoben.

          3 Min.

          In weitem Halbrund verteilt über die ganze Breite des Orchesterprobenraums der Oper Frankfurt sitzen die elf Mitglieder des Opernchors da, jeweils seitlich durch Plexiglasw?nde voneinander getrennt. Sie singen ohne Mund-Nasen-Schutz, in ihrer Singrichtung steht im vorgeschriebenen Abstand von sechs Metern Chordirektor Tilman Michael neben dem Korrepetitor am Flügel und probt ganz normal lauter schwierige Stellen, hier ein paar Takte, da ein paar Takte: ?Die Halbt?ne bitte sch?n getrennt“, fordert er beispielsweise.

          Guido Holze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für die Sopranistinnen und Ten?re, die hier ohne die Bass- und Alt-Stimmen üben, scheint die Situation, die vor einigen Monaten noch absurd erschienen w?re, inzwischen normal zu sein. Sie l?cheln sich durch die Plexiglasw?nde zu und machen kleine Sp??e. Ganz zufrieden sind sie und Tilman Michael zwar noch nicht mit den musikalischen Ergebnissen, doch beruhigt der Chordirektor mehrfach, dass ja noch einige Zeit zum üben bleibe und die Premiere diesmal auch nicht gleich auf die Generalprobe folgen werde.

          Die Premiere h?tte eigentlich schon am 22. November sein sollen, nun ist die szenische Frankfurter Erstaufführung des weltlichen Oratoriums ?Le vin herbé“ (?Der Zaubertrank“) von Frank Martin vorerst auf den 3. Dezember verschoben. Das 1942 uraufgeführte Stück des Schweizer Komponisten behandelt in franz?sischer Sprache die auch von Richard Wagner adaptierte mittelalterliche Geschichte von Tristan und Isolde und ist mit seiner kammermusikalischen Besetzung und dem zw?lfk?pfigen Gesangssolisten-Ensemble, das auch die umfangreichen Chorparts gestalten soll, für die ursprünglich geplante Neuproduktion der Oper ?Der Traumg?rge“ von Alexander Zemlinsky auf den Spielplan gekommen.

          Inszeniert wird ?Le vin herbé“ von Tilmann K?hler, der mit dem Bühnenbild von Karoly Risz auf die Corona-Situation eingehen wird: Die 24 Choristen, die in Frankfurt gem?? einer von Frank Martin goutierten Aufführungsvariante neben den Solisten zum Einsatz kommen, werden in einer Art überdimensionalem Setzkasten stehen, also ?hnlich wie bei der Probe durch seitliche Trennw?nde separiert.

          So müsse der Chor also nicht wie zuletzt bei den Produktionen der Oper Frankfurt, wie bei Bellinis ?I Puritani“ etwa, mit Masken singen, erl?utert Michael. Diese Masken aus Stoff seien zwar eigens von der Kostümschneiderei mit einem etwas gr??eren Hohlraum vor Mund und Nase angefertigt worden, doch mindere das nicht die Schwierigkeiten für S?nger: ?Da kommt der Klang raus, mit Mund, Lippen und Zunge wird die Sprache geformt“, sagt Michael. Die Maske werde bei starkem Einatmen eingesogen, und d?mpfe natürlich auch den Klang. Die Trennw?nde bringen dafür andere Probleme mit sich: ?Ich h?re vorne alle gut, aber die Choristen h?ren sich untereinander nicht richtig“, sagt Michael. Das k?nne zwar eine übung sein, doch brauche Chorgesang eigentlich etwas N?he. Auch für das Publikum mische sich der Chorklang besser, wenn die Abst?nde zwischen den S?ngern nicht zu gro? seien.

          Sp?rlich ges?t

          Dass das Publikum in den Vorstellungen, die zwischen den Lockdowns m?glich waren, so sp?rlich ges?t war, sei innerlich schwierig für die Auftretenden: ?Wenn man auf der Bühne steht und das Haus ist voll, vermittelt sich eine ganz andere Energie“, gibt Michael gern zu. In Puccinis ?Manon Lescaut“ seien die Choristen ganz hinter die Kulissen verbannt gewesen und h?tten daran auch Spa? gehabt, jedoch fehlten eben die Kostüme, die Szene und das Bühnengefühl.

          Hygienisches Singen: Auf Abstand, hinter Plexiglas und mit dem Desinfektionsmittel in der Hand probt der Chor sein Repertoire.
          Hygienisches Singen: Auf Abstand, hinter Plexiglas und mit dem Desinfektionsmittel in der Hand probt der Chor sein Repertoire. : Bild: Frank R?th

          Geprobt wird in jedem Fall weiterhin emsig und unverdrossen, auch wenn es für einige Stücke vergeblich war: In ?Le Grand Macabre“ von Ligeti, ?Der Traumg?rge“ von Zemlinsky und ?Die Banditen“ von Offenbach war schon viel Arbeit investiert worden, als die Produktionen abgesagt wurden. Derzeit sind die insgesamt 70 festangestellten Mitglieder des Frankfurter Opernchors, die allesamt Gesang studiert haben und aus 20 verschiedenen Nationen kommen, in Kurzarbeit, je nach Besch?ftigung zu unterschiedlichem Anteil. Maximal 30 Choristen k?nnen derzeit zusammen im Opernhaus singen, aber nur selten, wenn der Zuschauerraum für die Proben mitgenutzt werden kann. Ohne Masken dürften bei den geltenden Abstandsregeln h?chsten 14 Chormitglieder gemeinsam üben. Das Frankfurter Haus der Ch?re, in dem 24 Vokalisten singen k?nnen, hat der Opernchor daher auch schon genutzt. Getestet werden die Choristen derzeit nicht. Das sei auch eine Kostenfrage, legt Michael dar. Allerdings habe es in der Oper Frankfurt im Vorderhaus, also im Bühnenumfeld, bis jetzt keinen einzigen Corona-Fall gegeben.

          Hygienevorgaben: Nach der Probe werden die Notenst?nder desinfiziert.
          Hygienevorgaben: Nach der Probe werden die Notenst?nder desinfiziert. : Bild: Frank R?th

          Dass überhaupt geprobt werden k?nne und er sich mit Musik besch?ftige k?nne, bedeute ihm viel, stellt Michael klar. Als w?hrend des ersten Lockdowns im Frühjahr keine Proben stattfinden durften, habe er ?Audio-Tutorials“ aufgenommen und auf elektronischem Weg an die Choristen verschickt. Diese Einführungen in die Werke und die sanglichen Schwierigkeiten seien bei manchen so gut angekommen, dass sie gleich angeregt h?tten, dies beizubehalten, schmunzelt er. Die Motivation im Chor sei jedenfalls gut: ?Wir k?nnen nicht einfach die Fü?e hochlegen.“ Zwei weitere Neuproduktionen stehen für den Chor, nach den derzeitigen Pl?nen, noch an: ?Fedora“ von Umberto Giordano im Januar 2021 und im Februar ?Luisa Miller“ von Verdi anstelle von ?Aida“.

          Die szenische Frankfurter Erstaufführung des Oratoriums ?Le vin herbé“ ist in der Oper Frankfurt für den 3. Dezember geplant. Weitere Vorstellungen soll es am 5. und 11. Dezember sowie am 14., 16. und 22. Januar 2021 geben.

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