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Gendergerechte Sprache : Ein Mensch ist kein Unterstrich

  • -Aktualisiert am

Hier bin ich nicht Mensch, hier darf ich es nicht sein: Im Bürokratendeutsch wird man zum Bürger*innen-Dasein verdammt. Bild: dpa

Die Frankfurter Stadtverwaltung will es allen recht machen. Also gendert sie fortan, wo es nur geht. Selbst für Propagandisten der Gendersensibilit?t k?nnte sich hingegen eine Reflexion lohnen.

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          Auch wenn es weh tut, das zuzugeben: Es l?uft gerade richtig gut für die Sternenkrieger, Leerstellenvermittler und Innen-Architekten. Ihr Kampf für den genderkorrekten Umbau der deutschen Sprache führt an vielen Stellen zum Erfolg: Die Frankfurter Stadtverwaltung etwa ist von den Dezernaten für Frauen und Personal gerade mit einem Leitfaden für geschlechtergerechtes Schreiben beglückt worden, und den Pressestellen der Universit?ten bleibt fast nur noch die Wahl zwischen ?Forschenden“, ?Forscher*Innen“ und ?Forscher_innen“, wenn sie nicht einen hausinternen Shitstorm wegen mangelnden Respekts vor Frauen und nichtbin?ren Personen riskieren wollen.

          Sprache darf sich wandeln, das ist unbestritten. Auch k?nnen sich Unternehmen und Institutionen auf bestimmte Sprachregeln verst?ndigen – Zeitungsverlage tun das schlie?lich auch. Der Druck allerdings, mit der so manche ?Empfehlung“ zur diskriminierungsfreien Ausdrucksweise daherkommt, sollte nicht nur Orwell-Kenner alarmieren. Denn viele dieser Kreationen sind grammatisch, ?sthetisch, aber auch mit Blick auf den behaupteten gesellschaftlichen Nutzen derart zweifelhaft, dass sich jede N?tigung zu ihrem Gebrauch verbieten sollte.

          über die Bedeutung des generischen Maskulinums und die Folgen eingeklinkter Sonderzeichen für den Lesefluss ist schon genug geschrieben worden. Selbst für Propagandisten der Gendersensibilit?t k?nnte sich hingegen eine Reflexion darüber lohnen, inwieweit solche Wortgebilde überhaupt dem eigenen inklusiven Anspruch gerecht werden.

          Zeugt es nicht von Hybris zu glauben, eine wie auch immer geartete Verbalkonstruktion k?nne die Vielfalt sexueller Identit?ten abbilden, auf deren Existenz die Herolde der Gleichberechtigung doch st?ndig hinweisen? K?nnte sich nicht eine Transperson mit gutem Recht dagegen verwahren, zu einem Unterstrich-Menschen degradiert zu werden? Und wenn genügend Internetnutzer das auch so sehen – sind dann nicht sofort alle Ratgeber einzustampfen, in denen die Leerstelle empfohlen wird?

          Angesichts der schon erzielten Emanzipations-Fortschritte wirken die Bemühungen, die Gleichstellung mit ephemeren Sprachvehikeln voranzubringen, wie Nachhutgefechte. Deren Kommandeure m?gen sich fragen, wie es Angela Merkel, Christine Lagarde und Ursula von der Leyen blo? in ihre hohen ?mter geschafft haben – ohne Sternchen und Unterstrich.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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