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Social Impact Fonds : Wie gestrandetes Geld sinnvoll investiert werden kann

  • -Aktualisiert am

Geldspeicher: Schlie?f?cher im Tresorraum einer Bank Bild: Julia Zimmermann

Banken haben für Verm?gen in Milliardenh?he keinen Kontakt mehr zu deren Besitzern. Sozialunternehmen wollen Enteignungen umgehen, aber das Kapital nutzbar machen – und finden für den Plan viel Unterstützung.

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          In Deutschland liegt bei Banken auch Verm?gen, das sich keiner Person mehr zuordnen l?sst. Mitunter ist der Besitzer verstorben und vorher umgezogen, ohne seine neue Anschrift dem Institut mitzuteilen. Jedenfalls hat die Bank nun keinen Kontakt mehr zum ursprünglichen Eigentümer, aber immer noch das Kapital. Ein Initiative will das Geld nicht mehr liegen lassen und nimmt neuen Anlauf, um es in Sozialunternehmen zu stecken. Diese Idee treibt der Sozialunternehmer-Verein Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland (Send) voran, der aus dem Bundesverband Deutsche Start-ups hervorgegangen ist und zu deren Partner die BMW Foundation Herbert Quandt und die KfW-Stiftung z?hlen. Deren Vorschlag lautet: Wenn die Banken zehn Jahre ohne Kontakt zum Kunde bleiben, soll das Verm?gen in einen Fonds übergehen, den die staatliche F?rderbank KfW verwaltet.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Welche Summe dabei zusammenkommt, wei? keiner. Aus Sicht des Send-Vorsitzenden Markus Sauerhammer und seiner Mitstreiter geht es um viel: Im Vergleich zu anderen L?ndern sch?tzen sie den Wert von nachrichtenlosen Assets, dem vermeintlich herrenlosen Verm?gen ohne Kundenkontakt, in Deutschland auf 2 bis 9 Milliarden Euro. Diese Bandbreite zeigt schon, wie ungewiss die Sch?tzung ist.

          Der Sozialunternehmen-Verein sieht darin vor allem die M?glichkeit, Sozialunternehmen zu finanzieren, die das gestrandete Geld nach dem Vorschlag als Investition erhalten sollen. ?Wollen wir gerade in Zeiten von Corona das Kapital, das tot auf Konten liegt, nicht für gesellschaftliche Herausforderungen nutzen?“, fragt Sauerhammer. Seine Antwort: Gestrandetes Geld l?sst sich als Investition in Sozialunternehmen nutzen und gleichzeitig als Verm?gen erhalten.

          Als Sozialunternehmen verstehen sich Unternehmen, bei denen soziale Ziele vor Gewinnorientierung stehen, um gesellschaftliche Probleme unternehmerisch zu l?sen. Nach einer Anschubfinanzierung wollen sie in der Regel kostendeckend arbeiten. Manche produzieren klimaneutrale Trinkflaschen oder ?kologische Kleidung. Als Vorreiter gilt Friedensnobelpreistr?ger Muhammad Yunus, der mit der Grameen Bank Mikrokredite an die ?rmsten Bangladeschs vergab.

          Andere L?nder machen es bereits vor

          Send sieht Sozialunternehmen als Hybrid klassischer Start-ups und gemeinnütziger Organisationen und spürt für ihre Ideen nun mehr politische Unterstützung in allen Parteien. Wie sehr andere L?nder auf das gestrandetes Geld zugreifen und wie ein Social Impact Fonds in Deutschland aussehen k?nnte, hat der Verein gerade in einer neuen Publikation vorgestellt.

          So hatte Kalifornien Ende 2018 nachrichtenlose Verm?genswerte von mehr als 9 Milliarden Dollar übertragen bekommen. Hier ist die Zeitperiode mit einem kontaktlosen Jahr gering. Sauerhammer und Mitautoren halten diese wie auch die drei Jahre in Australien für zu kurz und die 15 Jahre in Gro?britannien für zu lang. Sie pl?dieren für eine Zeitperiode von zehn Jahren, wie sie sich in der Schweiz, Korea und Japan etabliert hat. Eine letztendliche übertragung des Verm?gens an den Staat wie in der Schweiz sei in Deutschland nicht m?glich, da das Grundgesetz einer Enteignung entgegensteht.

          In Deutschland sieht der Vorschlag die Verwaltung des Verm?gens vor und findet dafür viele Befürworter. In der Broschüre befürworten die Idee auch Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizs?cker, Ann-Kristin Achleitner, Professorin an der TU München und Multi-Aufsichtsr?tin, Politik?konomin Maja G?pel, Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, und Joachim Faber, der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen B?rse.

          Register soll es vereinfachen Erben zu finden

          Zu den Unterstützern eines Social Impact Fonds geh?rt auch der Verband Deutscher Erbenermittler. Dieser kritisiert die übliche Praxis der Banken, nachrichtenlose Betr?ge nach 30 Jahren gewinnwirksam auszubuchen, weil dadurch Erben ihnen zustehendes Verm?gen entgeht.

          Das Vorhaben von Send sieht ein zentrales Register vor, das die Daten bei einem Transfer von einem Finanzdienstleister zum Fonds speichert. Das soll Erben leichter Nachl?sse entdecken lassen, von denen diese keine Ahnung haben. Wer hier seine Ansprüche geltend macht, dem wird nach Prüfung der Verm?genswert ausgezahlt. Die Rückforderungsquote liegt in anderen L?ndern zwischen 2 und 7 Prozent.

          In der Publikation leiten Send-Vorsitzender Sauerhammer und Mitstreiter ihren Vorschlag für Deutschland ab: Die Zielstruktur soll eine Enteignung verhindern und mit dem Register auch die Aufdeckung von Nachl?ssen an potentielle Erben erleichtern. Verm?gen soll dann als ?nachrichtenlos“ gelten und damit auf einen Fonds übergehen k?nnen, wenn der Finanzdienstleister zehn Jahre den Kontakt verloren hat und trotz wiederholter Bemühungen nicht wiederherstellen kann. Das soll Bankkonten als auch Wertpapiere und Investmentverm?gen umfassen. Für Wertpapiere soll vor der überweisung eine Liquidation erfolgen und hierzu eine Günstigerprüfung erfolgen: Dann geht es um den Betrag, zu dem liquidiert wurde, oder um den Betrag zum Zeitpunkt der Geltendmachung des Anspruchs, falls dieser h?her liegt.

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          Bei komplexeren Instrumenten sollen L?sungen auf Basis dieses Grundgedankens gefunden werden, lautet der Wunsch. Nach der Idee soll die staatliche F?rderbank KfW einen solchen Social Impact Fonds verwalten. Damit würde der Staat mehr als bisher in Sozialunternehmen investieren. Strittig dürfte sein, wie genau der Fonds kontrolliert wird und vor allem in welche Sozialunternehmen dann Kapital flie?t. Send sieht hier einen politischen Beirat am Zug, der jeweils zur H?lfte aus Bund und L?ndern zu besetzen sein soll und die Anlagerichtlinien festschreibt sowie j?hrlich überprüft.

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